Jenny Siebers „neue Professionalität“
Ein berühmtes Zitat des Psychologen Carl Rogers:
„Das merkwürdige Paradoxon ist, dass ich mich erst ändern kann, wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin.“
Oft begegnet uns der Druck, wir seien „noch nicht ganz richtig“ oder müssten erst dieses oder jenes Trauma heilen, um endlich glücklich zu sein. Mein Ansatz ist hier eher ein Gegenentwurf zum Zeitgeist.
Ein anderer Weg im „Optimierungswahnsinn“
Wir leben in einer Welt der Filter – nicht nur auf Instagram, sondern auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Man will „erleuchtet“, „geheilt“ oder „high vibe“ wirken.
Die meiste Bewusstseinsarbeit heute ist eigentlich nur „Management des Selbst“. Man versucht, sich selbst effizienter, resilienter oder spiritueller zu machen.
Mein Ansatz:
Ich nutze meine Management-Expertise nicht, um dich zu „tunen“, sondern um einen Raum zu bauen, in dem du aufhören darfst zu kämpfen.
Die Würde der „Ruine“
Coaches wollen die Ruinen deiner Vergangenheit so schnell wie möglich durch einen Neubau ersetzen. Es liegt im Namen: Coaching = Training.
Als Bewusstseinarchitektin verstehe ich es wie folgt: die „Ruinen“ (deine Krisen, dein Burnout, deine Fehler) sind wertvolles Material. Sie werden nicht weggeräumt, sondern integriert. Das ist eine Form von Professionalität, die den Schmerz nicht als Fehler im System sieht, sondern als Teil der Statik. Verwandle Schmerz in Gold. Kintsugi lebt in jedem von uns.
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Selbst-Optimierung und Selbst-Annahme.
In der Welt von Coaching geht es oft um Expansion: „Werde die beste Version deiner selbst“, „Löse deine Blockaden“, „Komm in deine volle Kraft“.
Das Gefühl dabei: Es ist ein bisschen wie im Fitnessstudio für die Seele. Es ist effektiv, aber es schwingt immer mit: „So wie du jetzt bist, bist du noch nicht 'fertig' oder noch nicht 'gut genug'.“ Das kann sich wie ein weiterer Job anfühlen – der Job, sich selbst zu verbessern.
In meiner Welt steht etwas anderes im Vordergrund: INTEGRATION.
Das Gefühl dabei: „Deine Ruinen sind okay. Dein Scheitern ist okay. Dein Schmerz ist okay.“
Dazu dienen mir selbst auch die Songtexte meiner Musik:
Musik will dich nicht „verbessern“. Ein trauriges Lied will nicht, dass du sofort fröhlich wirst; es will, dass du dich in deiner Trauer verstanden fühlst.
Das ist, für mich, die reinste Form von Annahme.
Meine „neue Professionalität“ ermöglicht genau das:
Meine Professionalität besteht nicht darin, perfekt zu sein, sondern integer zu sein – also alle Teile von sich (auch die schwachen) dazu gehören zu lassen. Sie sind ein Teil von dir. Ja und ganz ehrlich, manchmal sind es genau diese Teile, die dich einzigartig machen. Dein Fundament der Verletzlichkeit.
Eine Architektin schaut sich den Bauplatz an. Wenn der Bauplatz schwierig ist, dann baut sie eben ein Haus, das genau darauf passt. Sie versucht nicht, den Berg plattzuwalzen, sondern sie integriert ihn. Das ist das Gefühl von „angenommen werden“ –
die Architektur passt sich DIR an, nicht du der Architektur.
Mein Hintergrund in Health Education ist hier entscheidend. In der Gesundheitsbildung geht es nicht nur um Leistung, sondern um Salutogenese – also darum, was uns gesund macht. Und das Erste, was einen Menschen gesund macht, ist das Gefühl, sicher und richtig zu sein.
Fazit Coach vs. Bewusstseinarchitektin
Coaches setzen oft bei der Veränderung an (Drücken, Schieben, Atmen, Verändern).
Ich setze bei der Akzeptanz an (Fühlen, Singen, Schreiben, Sein).
In einer Welt, die ständig „Optimierung“ schreit, ist jemand, der sagt: „Lass uns erst mal schauen, wer du wirklich bist, bevor wir irgendwas ändern“, eine wahre Wohltat.
„Ich muss nicht erst eine Bergspitze erklimmen, um wertvoll zu sein.
Es ist der Wechsel von „Ich muss mich reparieren“ zu „Ich darf mich entdecken“.
Meine Welt sagt: „Ich bin Managerin, Wissenschaftlerin, Autorin, Songwriterin UND Hobbyfotografin.
Und genau DIESE Mischung macht mich zur Bewusstseinarchitektin.“
Ich nutze diese präzise Verknüpfung von Management-Logik, wissenschaftlicher Gesundheitspädagogik und Kreativem Ausdruck zum Ausdruck meiner Ganzheitlichkeit:
- Meine Musik ist für die Seele,
- Meine Bücher für die Emotionen.
- Meine Fotos für den Ausdruck.
- Meine Analysen unterliegen dem Controlling.
Professionalität bedeutet für mich: Ganzheitlichkeit. Sie sagt aus: „Ich bin nur dann professionell, wenn ich meinen Verstand UND meine Seele einbringe.“
Frage an dich:
Hast du darüber schon einmal nachgedacht?
Schreib mir gern einen Kommentar zum Thema. Ich bin gespannt.
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